KKH_Magazin-Mitenand_2025-3-LowRes - Flipbook - Page 11
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Es habe aber durchaus auch Menschen gegeben, die
immer für sie da gewesen seien, mal ungefragt einen
Zopf vor die Türe legten oder Hilfe im Haushalt anboten
– «Das habe ich sehr geschätzt.» Zudem habe sie dank
der Kinderkrebshilfe auch viele neue Freundschaften
geknüpft.
Heute sagt Karin Liechti: «Es ist wahnsinnig traurig,
dass wir unsere Tochter verloren haben. Aber ich ziehe
auch Positives aus dem Verlust.» Sie habe etwa gelernt, für sich selbst einzustehen: «Ich bin ein stärkerer
Mensch als früher.»
Übermannt sie die Trauer, wie kürzlich, als Olivia
ihren 20. Geburtstag gefeiert hätte, bucht Karin
Liechti einen Flug in die Türkei. Dort waren sie früher
oft zu viert. Nun fühlt sie sich Olivia besonders nahe,
wenn sie allein am Strand sitzt und aufs Wasser
blickt. «Dann 昀氀iessen die Tränen.» Doch danach
komme sie stets mit neuer Kraft nach Hause. Auch
dort ist Olivia präsent – auf Fotos, in Gesprächen und
Erinnerungen. Und fragt eine fremde Person, wie
viele Kinder Karin Liechti hat, dann antwortet sie:
«Ich habe ein Erden- und ein Himmelskind.»
| FABIENNE EICHELBERGER, RINGIER SCHWEIZER ILLUSTRIERTE
Karin Liechti aus Waltenschwil (AG) engagiert
sich als Vizepräsidentin der Kinderkrebshilfe
Schweiz. Sie begleitet Familien in der Trauer und
leitet entsprechende Wochenenden und Abende.
# 350 Kinder und Jugendliche
erkranken in der Schweiz
jährlich neu an Krebs.
Am häu昀椀gsten sind Leukämien, gefolgt von Tumoren im Hirn und Rückenmark sowie Lymphdrüsenkrebs. Über 80 Prozent der betro昀昀enen
Kinder und Jugendlichen können hierzulande geheilt werden. Diese ehemaligen KinderkrebsPatientinnen und -Patienten werden «Survivors»
genannt. Manche von ihnen leiden an Spätfolgen
der aggressiven Therapien, weshalb eine umfassende Nachsorge essentiell ist. Kinderkrebs
Schweiz hat darum eine nationale Fachstelle für
Survivors und ihre Familien eingerichtet.
Karin Liechti, Türkei