KKH_Magazin-Mitenand_2025-3-LowRes - Flipbook - Page 9
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glaubst: Auch du wirst es irgendwann wieder können.»
Dazu müsse man sich aber zuerst erlauben, wieder
glücklich zu werden und bereit sein, aus der Opferrolle
auszubrechen. Fehlt einem die Kraft dazu, emp昀椀ehlt
Karin Liechti psychologische Hilfe.
Eltern, die sich schon vor einigen Jahren von ihrem
Kind verabschieden mussten, erzählen Karin Liechti
oft: «Ich habe niemanden mehr zum Reden.» Viele
Menschen, die nicht dasselbe Schicksal teilen, wollen
irgendwann nicht mehr vom Tod des Kindes hören. Einige fragen sogar:
«Warum trauerst du noch immer?»
Für Karin Liechti ist klar: «Auch wenn es mir mittlerweile gut geht: Ich werde trauern, bis ich meine
Tochter wiedersehe.» Die Trauer verändere sich zwar,
verschwinde aber nie ganz.
Für Aussenstehende sei das oft schwer zu verstehen.
«Sie betrachten die Beerdigung als einen Abschluss.
Doch für Betro昀昀ene beginnt dann erst der eigentliche
Trauer-Prozess.» Während Freunde und entferntere
Verwandte zurück in die Normalität gehen, gibt es
diese für die Kernfamilie nicht mehr.
Karin Liechti hätte sich gewünscht, dass mehr Menschen auf sie zugegangen wären. Doch schon während Olivias Krankheit spürte sie die Überforderung
vieler Bekannten. «Einige wechselten die Strassenseite oder versteckten sich beim Einkaufen hinter den
Regalen», erinnert sie sich. Betro昀昀ene zu meiden, sei
jedoch das Schlimmste, das man tun kann. Man müsse
keine Hemmungen haben, sie anzusprechen – «Möchte jemand nicht reden, wird er das schon sagen.»
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